Ferdenrothorn – einsames Gipfelglück

Tag 1 – Hüttenzustieg / Lauchernalp – Lötschepasshütte

Die Schweiz hat heiss und ist auf bestem Weg den Jahrhundertsommer von 2003 zu wiederholen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch die Temperaturen in den Bergen eher warm sind und so haben wir uns entschieden den möglichst kurzen Zustieg zur Lötschepasshütte zu wählen. Mit dem Zug ging es bis Goppenstein, wo ein Postauto uns erwartet und zur Talstation der Lauchernalpbahn nähe Blatten im Lötschental brachte. Die Gondel beförderte uns die ersten 600hm in die Höhe.

Der Wanderweg führt gemütlich durch Weiden und wird glücklicherweise regelmässig von kalten Bergbächen unterbrochen, wo man sich ideal abkühlen kann. Nachdem die Steigung zur ‘Sattlegi’ genommen wurde, quert der Weg, immer die Höhe haltend zu den kleinen Bergseen, die kurz vor der Lötschepasshütte liegen.

Für die Wanderzeit muss man, wenn man es gemütlich angeht circa 2.5h einberechnen. Die Lötschepasshütte ist eine private Hütte am Wandfuss von Balmhorn & Ferdenrothorn gelegen. Unser Zimmer war ein 12er Schlag mit luxuriösen 80cm breiten Matratzen. Leider war sie voll belegt und zusammen mit den warmen Bedingungen wurde die Nacht zu einem langen Saunagang.

 Tag 2 – Ferdenrothorn Nordgrat , Abstieg nach Leukerbad

Unser Wecker erlöste uns vom Schweissbad um 6:00. Mit Frühstück um 6:15 und Abmarsch um 7:00 liessen wir uns genügend Zeit um in den wunderschönen Tag zu starten. Die Lötschepasshütte wird vornehmlich von Wanderer besucht und so was es nicht erstaunlich, dass wir den Trubel schnell hinter uns lassen konnten als wir gegen die ‘Gitzifurggu’ aufgestiegen sind. Der Weg, man muss mit circa 50 Minuten Aufstieg rechnen, führt über das Überbleibsel vom Ferdengletscher hoch. Zu beginn kann man sich vornehmlich an den Wasserleitungen der Hütte orientieren. Später wählt man einfach das flachste Stück für seine Zick-Zack-Spur aus. Auf der Furggu angekommen  konnten wir unseren ganzen Grat begutachten & uns auf die kommenden Klettermeter freuen.

Der Grat startet einfach in Gehgelände. Die ersten paar Stufen sind wir entweder überklettert oder ostseitig umgangen. Die Felsqualität ist vornehmlich brüchig. Der erste grössere Gendarm kann man überklettern (schöne Verschneidung) oder viel einfacher westseitig umgehen. Nach einer kurzen Passage in Schnee und Geröll wird der Grat steiler. Mit der zunehmenden Steilheit wird auch die Felsqualität immer besser und man kann das Klettern bis zum Gipfel richtig geniessen. Die letzten paar Meter zum Kreuz und Megasteinmann ist einfache Blockkletterei/Gehgelände. Für die Kletterei benötigen wir inkl. Pause circa 2h.

Die von uns angetroffenen Verhältnisse am Grat liessen keine Wünsche offen. Der Fels war trocken und die Schneequalität der Wächte in den Gehstücken noch nicht zu weich. Gesichert haben wir uns meistens direkt an den Zacken. In den steileren Passagen zuweilen ein Friend oder Keil gesetzt. Auf Schlingen konnten wir gänzlich verzichten. Durch die zuweilen fragwürdige Felsqualität waren die Zwischensicherungen mehr für die Übung als für die Sicherheit da.

Nach einer ausgiebigen Pause auf dem Gipfel machten wir uns an den Abstieg. Die Führerliteratur erwähnt da T3-Gelände. Tatsächlich konnten wir zu beginn einige Wegspuren ausmachen, die sich jedoch schnell in extrem verblocktem Gelände verlieren. So hielten wir uns vornehmlich an den breiten Grat/Rücken und versuchten soviel wie möglich auf die Restschneefelder auszuweichen um gelenkschonend abzusteigen. Erhebungen können immer westseitig einfach umgangen werden oder man kann es sie mit 1-2 Kletterzüge geniessen. Die Fauna liess uns hier nicht im Stich und wir sahen neben Steinböcken auch die eher selten sichtbaren Schneehühner. Später wir der Rücken dann breiter wurde stösst man auf den Bergwanderweg beim ‘Ferdenpass’.

Da es die Zeit zuliess entschieden wir uns für den Abstieg nach ‘Leukerbad’. Hierzu muss jedoch erwähnt werden, dass der Weg, kann man die vereinzelten Wanderwegmarkierungen überhaupt als solchen bezeichnen, sich ziemlich von der garstigen Seite zeigt. Verblocktes steiles Gelände geht über in sehr steiles gerölliges Gelände. Wer auf einen einfachen kopfauslüftenden Abstieg hofft sollte diese Wahl tunlichst vermeiden. Wir genossen den Abstieg trotzdem und versuchten weiterhin soviel Schnee wie möglich unter die Füsse zu kriegen.

Während des Abstiegs sahen wir wie das Wetter ankam und sich gewaltige Wolken bildeten. Als wir auf der ‘Flüealp’ angekommen sind, fielen schon die ersten Regentropfen aus dem Himmel. Kurz darauf öffneten sich alle Schleusen und es gab einen richtigen ‘Platsch’. Circa 15 Minuten später war der ganze Spuk vorbei und weitere 5 Minuten später der Boden wieder trocken. Einzig die tropische Luftfeuchtigkeit liess an das Gewitter von vorhin erinnern. Nach einer kleinen Stärkung und dem Wiederauffüllen unserer Wasserflaschen machten wir uns an die übergebliebenen 90 Minuten Abstieg nach ‘Leukerbad’ wo wir mit dem ÖV wieder Richtung Zuhause gondelten.

Einsame schöne Tour für den Einstieg in die Tourenzeit Sommer 2015. Durch die Einsamkeit der Tour & die Schönheit der Kulisse hat sie grosse Wiederholungsgefahr.

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Route:
Schwierigkeit Tour:ZS-
Höhenmeter:560m up / 1780m down m
Distanz:12.15km
Zeitbedarf (inkl. Pausen):8 Std 10 Min
Aufstiegszeit (inkl. Pausen):3 Std
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