Überschreitung Piz Medel – Hochtour

Hüttenzustieg Medelserhütte

Der Zustieg zur Medelserhütte ist schnell erklärt. Da wir wussten, dass uns Morgen ein langer Tag bevorsteht wählten wir die kürzeste Variante. Diese beginnt in “Curaglia” und führt via “Alp Sura” zur “Fuorcola da Lavaz” auf welcher die Hütte platziert ist. Der Aufstieg selbst ist grösstenteils an der Sonne und so konnten wir den warmen Tag ausgiebig geniessen / kamen total durchgeschwitzt auf der Hütte an. Als Empfehlung gilt noch die Besteigung des “Piz Caschleglia”, von welchem man eine gute Rundsicht, wie auch einen Einblick in die Verhältnisse am “Piz Medel” hätte. Nachdem wir jedoch unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auf ein tolerierbares Niveau gebracht hatten, konnten wir uns nicht motivieren bei dieser Hitze den Gipfelsturm unter die Füsse zu nehmen. So bleibt der Besuch des “Piz Caschleglia” dem nächsten Besuch vorbehalten.

Die Medelserhütte selbst wird von einem äusserst sympathischen Hüttenpaar bewirtet. Vor ein paar Jahren wurde die Hütte sanft renoviert und besitzt nun ein gemütliches Esszimmer mit grosser Fensterfront und super Aussicht. Bei der Diskussion der Frühstückszeiten mussten wir feststellen, dass, uns miteinbezogen, gerade mal drei Personen auf den “Piz Medel” wollten. So einigten wir uns auf eine humane Frühstückszeit von 05:30. Das Gros der Hüttenbesucher – sie war gut zu 3/4 gefüllt – schlief aus und wanderte am nächsten Tag Richtung Greinaebene oder wieder hinunter ins Tal. Pius, der 3. Medelsgänger, nahmen wir gerne mit ans Seil, da grössere Seilschaften auf einem Gletscher selten eine schlechte Idee sind.

Gipfeltag

Um 05:00 wurde es schon langsam hell. Dieses Wissen haben wir, weil a) der Föhn sich lautstark mit den Wellblechwänden der Medelserhütte bemerkbar machte und b) wir sowieso um 05:15 aufstehen mussten um unser Frühstück einzunehmen. Der Aufstieg auf den “Piz Medel” wartete mit nahezu perfekten Verhältnissen auf. Der “Glatscher da Plattas” und der “Glatscher da Medels” sind komplett und gut eingeschneit. Der Zustieg zum Gletscher ist blau-weiss markiert und wir benötigten etwas mehr als eine Stunde für diesen. Auf dem Gletscher angekommen geht es relativ steil (~40°) auf das Gletscherplateau, auf welchem man dann zum Grat des “Piz Medel” quert. Durch den vielen Schnee konnten wir die eigentliche Kletterei ziemlich abkürzen und standen nach 3h (inkl. Pausen) gemütlichen Bergsteigen auf dem “Piz Medel”.

Nach einem kurzen Rast, etwas kleinem zu Essen und der Verwunderung, dass wir heute wirklich die einzigen Personen auf dem Gipfel sind, starteten wir mit der Gratkletterei. Pius, der wohl den Umstand verfluchte, dass er sein Auto so weit oben im Tal parkiert hatte, entschied sich uns noch ein bisschen auf dem Grat zu begleiten, bevor er dann wieder den Abstieg über den Gletscher zur Medelserhütte unter die Füsse nahm. So gingen wir, teilweise kletternd, meist jedoch kraxelnd, dem Grat folgend bis zu einem wirklich grossen, circa 2 Meter hohen Hindernis. Die Felsqualität ist nicht überragend und meistens nur direkt auf dem Grat fest. Teilweise muss man den Grat jedoch ein bisschen nach Osten verlassen um nachher jedoch ziemlich schnell wieder direkt auf den Grat zurückzukehren. Beim Hindernis sieht man Wegspuren, die einfach auf das Firnfeld “Vadrecc di Camadra” hinunterführen. Dem Firnfeld folgt man dann und versucht so wenig Höhe wie möglich abzugeben. Der Schnee war noch ziemlich hart und durch die Steilheit vom “Vadrecc di Camadra” entschieden wir uns die Steigeisen wieder zu montieren und mit ihnen direkt das steile Schneefeld zum Gipfel zu erklimmen. Der “Cima di Camadra” hat ein grosses Steinmännchen auf dem Gipfel und bietet eine schöne Aussicht auf den weiteren Gratverlauf, welcher jetzt steil hinunter zur “Fuorcla Su” führt.

Die Felsqualität bleibt brüchig ist jedoch direkt auf dem Grat ziemlich gut. Der Abstieg ist steil aber bietet keine nennenswerte Schwierigkeiten, jedoch zwingt er einen immer konzentriert zu gehen und zuweilen die Hände zur Hilfe zu nehmen. Kraxelnd näherten wir uns dem dritten Gipfel “Piz Uffiern”. Interessanterweise gibt es für diesen keine beschriebene Sommerbesteigung auf Hikr. Er ist von den technischen Schwierigkeiten ausgehen der komplizierteste Gipfel. Vor dem Gipfel selbst hat der Grat zwei Aufschwünge. Um Zeit zu sparen umgingen wir den ersten auf seiner Nordseite. Der zweite bietet äusserst ausgesetzte Kletterei im III Grad sowohl im Auf- wie auch im Abstieg. So kommt man direkt zum Gipfelaufschwung vom “Piz Uffiern”. Diesen erklettert man direkt auf dem Grat (UIAA II), wobei der Felsqualität nicht zwingend getraut werden soll.

Der Grat selbst führt vom “Piz Uffiern” weiter zum “Piz Cristallina”. Wir entschieden uns jedoch für einen direkten Abstieg vom “Piz Uffiern” um den Tag nicht noch mehr in die Länge zu ziehen. So kletterten wir den Westgrat (kurze Stelle UIAA II) hinunter und begannen mit dem steilen Abstieg im Geröllfeld (T5 – T6) Richtung Süden. Hier von Steinqualität zu sprechen wäre fehl am Platz. Loses Gröll wechselte sich mit loserem Geröll ab. Wir peilten den See bei “Stavel da Nuorsas” an und nutzen die sehr steilen (~45°) bis weniger steilen (~35°) Schneefelder um einfacher Höhe zu vernichten. Oberhalb P. 2742 querten wir dann in die Südflanke des “Piz Cristallina” um weiter abzusteigen. Höhenmeter für Höhenmeter wurde das Gelände stabiler und grasdurchsetzter bis wir schliesslich die Zivilisation in Form von Wanderwegstangen (circa bei 2350m) erreichten. Diesen folgten wir dann, die auf der Karte vermerkten Wegspuren sind praktisch inexistent oder konstant durch hohes Gras verdeckt, bis zur Alpfahrstrasse bei “Stavel digl Uffiern”. Dieser Alpfahrstrasse folgt man bis zur Lukmanierpassstrasse wo die Tour dann beendet ist. Da wir schon über 11h unterwegs waren, gönnten wir uns den Luxus eines Alptaxis welches und bei “Palius” einlud und uns bequem zum Bahnhof Disentis runterfuhr.

Eine lange, jedoch sehr schöne Tour. Die grösste Schwierigkeit ist, dass man sich gut 10h in Gelände befindet, welches keine Fehltritte erlaubt. So ist die Tour eine super Übung für die Konzentration. Wir hatten das Wetterglück auf unserer Seite. Zwar stauten sich die Quellwolken, welche von Süden kamen, an unserem Grat, jedoch beschränkten sich die Kraxelei innerhalb des Nebels auf ein Minimum. Zudem war die Weitsicht nach Norden weitgehend ungetrübt und traumhaft schön. Bis zur Alpfahrstrasse sahen wir, ausser Pius, keine Menschenseele, was das Erlebte noch ein bisschen spezieller machte.

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