Gwächtenhorn – Westgrat

Route:Tierberglihütte 2795m, Chelenlücke 3202m, Gwächtenhorn 3420m, Tierberglihütte 2795m, Parkplatz Umpol 2090m
Schwierigkeit Wandern:T4 - Alpinwandern
Schwierigkeit Hochtour:WS+ - ein bisschen schwerer als wenig Schwierig
Schwierigkeit Klettern:2a
Höhenmeter:728m (auf), 1398m (ab)
Distanz:11 km
Marschzeit:7 Std
Zeit (inkl. Pausen):9 Std 25 Min

Unsere erste Hochtour zu zweit – und leider auch die Letzte für diese Saison.

Nach meiner Hochtourenausbildungswoche wollte ich das Gelernte anwenden. Ich folgte dem Tip von Annina, der Bergführerin, und plante ein Wochenende auf der Tierberglihütte, mit dem Ziel, das Gwächtenhorn zu überschreiten. Dominik war natürlich sofort dabei, vor allem da diese Hochtour Gletscher, aber auch Gratkletterei beinhaltet. Dieses Wochenende war es nun soweit, das Wetter stimmte und wir hatten keine anderen Verpflichtungen.

Tag 1 – Wanderung zur Hütte
Gestartet sind wir auf dem Parkplatz Umpol. Man kann die Hütte über den Klettersteig (KS3) oder den Hüttenweg (T4) erreichen. Wir entschieden uns für den Hüttenweg, auf welchem im oberen Teil noch Schnee lag, was den Aufstieg etwas erschwerte. Trotzdem waren wir in 1 Std 45 Min bereits auf der Tierberglihütte. Freundlich wurden wir vom Hüttenwart Heiri empfangen. Wir erfuhren, dass seit dem Neuschnee noch niemand den Westgrat des Gwächtenhorn beschritten hat und eine neue Spur angelegt werden muss. Somit entschlossen wir uns, bereits heute Richtung Gwächtenhorn zu stapfen, vor allem da wir am nächsten Morgen in der Dämmerung die erste Spaltenzone überwinden mussten. Leider nahmen wir die Steigeisen nicht mit und so mussten nach kurzer Zeit wieder umkehren, da der Untergrund härter als erwartet war. Aber zum Glück waren wir nicht die Einzigen mit diesem Ziel, Mathias und seine Seilpartnerin spurten bereits am Samstag ein sehr grosses Stück und am nächsten Tag auch noch den Rest. Hier ein grosses Dankeschön an die Beiden – war es auch sonst genug anstrengend.
Den Samstag verbrachten wir danach sonnend auf der Hütte und genossen das herrliche Panorama. Nach dem Nachtessen gingen wir früh zu Bett. Leider habe ich nicht gut geschlafen, da die Hütte auf knapp 2800m liegt, aber immerhin hatte ich dieses Mal keine starken Kopfschmerzen.

Tag 2 – Gwächtenhornüberschreitung
Um 6.10 Uhr sind wir in mit Klettergurt und Steigeisen montiert bei der Hütte losgelaufen. Innerhalb von 5 Minuten stehen wir auf dem Gletscher uns seilen uns an. Wir steigen über den zerschrundeten Gletscher gegen Südwesten Richtung Chelenlücke. Um auf den Grat zu gelangen muss der Bergschrund überquert werden. Die Brücke ist ziemlich schmal und da Dominik einer Seilschaft ausweichen muss, welche an dieser Stelle ein Überholmanöver macht, bricht er bis zur Hüfte ein. Schnell rausgekraxelt geht es weiter, bis wir zum etwa 45° steilen Firnhang kommen. Unter den etwa 15 cm Neuschnee liegt über eine Strecke von etwa 40 Meter Blankeis. Dominik macht die erste Seillänge und sichert mich über eine Eisschraube nach, zum Glück, bin ich doch ausgerutscht und einen Meter runtergesaust. Ich gehe die zweite Seillänge vor, sichere mit einer Eisschraube zwischen, denn ganz wohl ist es mir nicht. Vor allem als ich dann mit den Steigeisen über Felsen auf den Grat klettern muss. Auf dem Grat angekommen ziehen wir die Steigeisen ab und begehen diesen in den Bergschuhen. Es liegt zum Teil noch etwas Schnee, aber er ist gut machbar. Hier auf dem Fels fühlen wir uns wohl und kommen schnell vorwärts. Viel zu schnell ist die Kraxelei vorbei. Wir benötigten etwa 50 Minuten. Eigentlich ist der Gipfel ist eine Eiskuppe, jedoch sehen wir, wegen dichtem Nebel weder den Gipfel noch können wir die Aussicht geniessen. Somit machen wir uns schnell an den Abstieg.
Wir folgen der Spur, können uns jedoch sehr schlecht orientieren da wir etwa 5 Meter weit sehen und keine Anhaltspunkte haben. Somit kommt Dominiks neues GPS Gerät  in den Einsatz. Die 25 000 er Karte ist sehr hilfreich, da wir dank ihr wissen, dass dir Richtung stimmt. Bald verzieht sich der Nebel wieder und wir sind uns sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bei etwa 3080 m kommen wir auf den Weg zum Sustenhorn. Von hier aus folgen wir alles der gut ausgetrampelten Spur im zick zack durch den zerspalteten Steingletscher zurück zur Hütte. Einige Spalten mussten überhüpft werden, aber zum Glück hielten bei uns noch alle anderen Brücken.
Auf der Hütte genossen wir ein leckeres Mittagessen und ein grosses Bier. Um etwa 14.00 Uhr machen wir uns auf den Abstieg. Dieser war, durch den festgetrampelten Schnee, sehr rutschig und wir benötigten für den Abstieg tatsächlich gleichlang wie für den Aufstieg. Mit schlotternden Knien waren wir froh beim Auto anzukommen.

Wir hatten zwei unvergessliche Tage und haben viel gelernt und Sicherheit auf dem Gletscher bekommen. Meine Gletscher-(spalten)-Angst ist verschwunden, jedoch die gesunde Vorsicht blieb erhalten. Wir freuen uns auf weitere Hochtouren im nächsten Jahr.

Zur Bewertung: Im SAC Führer wird diese Tour mit WS bewertet. Im Gipfelbuch mit ZS-, wo man auch die Routenbeschreibung findet. Mit den aktuellen Verhältnissen (zugeschneiter Gletscher, Bergschrund und Blankeis) ist WS+ unserer Meinung nach berechtigter.